Werden Unfälle durch Schnee von der Privathaftpflicht bezahlt?

Oftmals gibt es Streitigkeiten darüber, ob eine Haftpflichtversicherung auch für Schäden aufkommt, die in Zusammenhang mit Schnee entstehen. Zahlt die Haftpflichtversicherung, wenn Kinder in einer Schneeballschlacht versehentlich Fenster einwerfen oder Passanten verletzen? Und wer haftet bei Schneeunfällen auf dem Gehweg?

Kaum fällt der erste Schnee, kann man schon die ersten Kinder bei einer Schneeballschlacht beobachten. Das macht ihnen einen Riesenspaß, doch ungefährlich sind Schneeballschlachten nun auch nicht. Ein unachtsam geworfener Schneeball kann durchaus hohen Sachschaden anrichten, wenn durch ihn ein Fenster zerstört oder ein Auto beschädigt wird. Von Personenschäden ganz zu schweigen. Gleiches gilt auch für Unfälle auf und vor dem eigenen Grundstück, wenn die Wege nicht ordentlich geräumt wurden. In welchen Fällen haftet man selbst und wann kommt die private Haftpflichtversicherung für Schneeunfälle bzw. Schneeschäden auf?

Auch im Schnee: Eltern haften für Ihre Kinder

Kinder unter acht Jahren sind gesetzlich generell deliktunfähig. Verletzt ein Kind eine andere Person oder ein anderes Kind mit einem Schneeball, kann es erst ab acht Jahren dafür haftbar gemacht werden. Eltern von Kindern ab acht Jahren sollten unbedingt prüfen, ob Schäden durch die Kinder von der Haftpflichtversicherung gedeckt sind, denn das ist nicht immer automatisch der Fall.

Das ist jedoch kein Freibrief für unvorsichtige Schneeballschlachten, denn die Eltern können durchaus haftbar gemacht werden. Spielen Kinder ohne Aufsicht im Schnee, liegt eine Verletzung der Aufsichtspflicht vor und die Haftung für durch die Kinder verursachte Schäden geht auf die Eltern über.

Haben die Eltern eine private Haftpflichtversicherung, sind sie klar im Vorteil, denn solche Schäden gelten als fahrlässig angerichtete Schäden und werden üblicherweise von der Haftpflichtversicherung übernommen, sofern es sich nicht um eine falsche Beschuldigung handelt. War das Fenster schon vor dem Schneeballwurf kaputt, haften natürlich weder Kinder, noch Eltern oder die Haftpflichtversicherung.

Ein mit einem Schneeball eingeworfenes Fenster kann man meist noch ganz gut selbst ersetzen, denn die Schadenhöhe hält sich für gewöhnlich in Grenzen. Anders sieht es jedoch aus, wenn ein Passant von einem Schneeball im Gesicht getroffen wird und daraufhin erblindet oder stürzt und sich etwas bricht.

In solchen Fällen geht die Schadenshöhe schnell sogar bis in den Millionenbereich, denn als Verursacher des Schadens muss man nicht nur für die Genesungskosten aufkommen, sondern auch für alle Folgekosten wie Verdienstausfall oder sonstige Vermögensschäden.

Haftpflichtversicherung und Schneeunfälle auf dem Gehweg

In Deutschland gibt es eine Schneeräumpflicht. Das bedeutet, dass immer dafür gesorgt sein muss, dass Gehwege vor Gebäude, sowie der Eingangsbereich und Zugänge zu Stellplätzen und Mülltonnen von Schnee befreit sind. Wird dieser Pflicht nicht nachgekommen und eine Person stürzt oder kommt anderweitig zu Schaden, haftet die Person, die für die Räumung zuständig war. Eine Haftpflichtversicherung übernimmt die Haftung in der Regel nur dann, wenn der Schaden trotz ordentlicher Räumung entstanden ist. Wer ist allgemein für die Gehwegräumung verantwortlich und was muss geräumt werden?

Von Schnee zu befreien sind:

  • Gehweg vor dem Grundstück: Mindestens 120 cm Breite
  • Gesamter Eingangsbereich von Grundstück bis Gebäude
  • Wege zu Park- und Stellplätzen, sowie Mülltonnen: Mindestens 50 cm Breite

Am Wochenende müssen die Flächen bis acht Uhr geräumt sein, an Wochentagen bis sieben Uhr. Wer nun genau für die Räumung verantwortlich ist, ist Sache der Kommunen. Im Normalfall überantworten die Kommunen diese Aufgabe jedoch auf die Hausbesitzer. Handelt es sich bei den Gebäuden um Miethäuser, liegt die Pflicht zur Schneebeseitigung in den meisten Fällen beim Hausmeister oder Vermieter.

Dieser hat jedoch das Recht, die Pflicht auf seine Mieter abzuwälzen. Mieter sollten daher nachsehen, ob und wann sie zur Gehwegräumung verpflichtet sind, denn wie bereits erwähnt, zahlt eine Haftpflichtversicherung nicht für Schneeunfälle, die durch nicht geräumte Wege entstanden sind.